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Okt 31 2013

HNT sieht Ganztagsschule als große Herrausforderung, Foto: HNT

HNT sieht Ganztagsschule als größte Herausforderung

Sportvereine übernehmen zunehmend Aufgaben in der Stadtentwicklung. HNT-Geschäftsführer Karsten Bode sieht die wichtigste Aufgabe darin, eine komplette Ganztagsschulbetreuung am Nachmittag anzubieten.

Von Thomas Sulzyc
 
Mit Turnieren für Kinder (hier beim Aufwärmen) in der Hochhaussiedlung Neuwiedenthal betreibt die HNT Stadtteilarbeit

Hausbruch. Sportvereine sind heute nicht nur Deutschlands Sportanbieter Nummer eins. Als Partner von Ganztagsschulen und Jugendämtern übernehmen sie zunehmend Aufgaben in der Stadtentwicklung. Einer der führenden Sportvereine in Hamburg dabei ist die Hausbruch-Neugrabener Turnerschaft (HNT). Seit 30 Jahren beschäftigt sich HNT-Geschäftsführer Karsten Bode, 62, hauptberuflich mit dem Umbau des reinen Sportvereins zum Stadtteilverein. Die größte Herausforderung der Sportvereine heute sieht er in der immer stärkeren Bedeutung der Ganztagsschule. Sportvereine als Stadtteilvereine, sagt Bode, müssen in der Lage sein, als sozialer Dienstleister ein Gesamtpaket für die Ganztagsschulbetreuung anzubieten und damit in den Wettbewerb mit den sozialen Wohlfahrtsverbänden zu treten. Deshalb rät Karsten Bode den heute meist noch ehrenamtlich geführten Sportvereinen zu mehr Hauptamtlichkeit.

Mit seinen Thesen zur Überlebensfähigkeit von Sportvereinen ist der HNT-Geschäftsführer kein Exot. Die Turnerschaft mit Sitz in Hausbruch, der größte Sportverein in Hamburgs Süden, gehört einem einflussreichen sportpolitischen Dachverein in Hamburg an: dem TopSportVerein Metropolregion Hamburg. 26 meist Traditionsvereine bilden diese Interessenvertretung der Großvereine. Ihre Gemeinsamkeit: Sie haben jeweils mehr als 3000 Mitglieder, besitzen vereinseigne Sportanlagen und zeigen soziales Engagement im Stadtteil. In drei der 26 TopSportvereinen haben inzwischen hauptamtliche Vorsitzende den klassisch ehrenamtlichen Präsidenten abgelöst und wie Proficlubs Aufsichträte geschaffen.

Der Hamburger Senat hat die Stadtteilentwicklung durch Sportvereine ist seiner sogenannten Dekadenstrategie als Ziel verankert. Das Strategiepapier zur Entwicklung der Hamburger Sportlandschaft bis in das Jahr 2022 sieht den Wandel von Sportvereinen zu Stadtteilvereinen unter der Überschrift "SPORTmachtSTADT" ausdrücklich vor. Eine direkte finanzielle Förderung ist zwar bis jetzt nicht vorgesehen, da der Vereinssport institutionell über den Hamburger Sportbund gefördert wird, heißt es aus der Behörde für Inneres und Sport. Sportvereine seien aber in vielen städtischen Förderprogrammen zur sozialräumlichen Entwicklung Partner. Und mit der Dekadenstrategie würden die Fachämter für Sozialraummanagement in den Bezirken gestärkt, Sportvereine noch mehr als Partner der Quartiersentwicklung zu sehen und einzubeziehen.

"Viele große Vereine wie die HNT haben diese Herausforderung bereits erkannt und prägen ihr Umfeld, indem sie wichtige soziale Aufgaben wahrnehmen, insbesondere für Kinder und Jugendliche. Das unterstützt der Senat", sagt der Sprecher der Behörde für Inneres und Sport, Frank Reschreiter.

In der HNT treiben 250 Kinder aus einkommensschwachen Familien Sport, ohne einen Beitrag zahlen zu müssen. Wenig bürokratisch sei das Verfahren, niemand sehe es den Jungen und Mädchen an. Sie seien "voll in der Gemeinschaft" drin, sagt Karsten Bode. Bisher unterstütze der Bezirk Harburg mit etwa 8000 bis 9000 Euro diese Integration. Weniger mit der Dekadenstrategie des Senates passt da zusammen, dass laut Karsten Bode diese Förderung im Jahr 2014 gestrichen werden soll. Die HNT finanziere ihr Engagent im Stadtteil mit verhältnismäßig hohen Mitgliedsbeiträgen. So ist es möglich, dass Trainer der HNT in Zusammenarbeit mit dem städtischen Wohnungsbauunternehmen SAGA auf Sportplätzen in Hochhaussiedlungen Turniere für die dort lebenden Kinder organisieren und betreuen.

Wie viele Sportvereine bietet die HNT bereits Sportangebote an Ganztagsschulen an. In Zukunft, sagt Karsten Bode voraus, werden große Sportvereine die komplette Ganztagsschulbetreuung auch mit sportfremden Leistungen als Gesamtpaket anbieten – Spielebetreuung, Hausaufgabenhilfe und möglicherweise sogar Essensausgabe inklusive. Die HNT müsste dann Schulkinder von 7 bis 8 Uhr und von 13 bis 16 Uhr betreuen. "Da müssen wir hin", sagt der HNT-Geschäftsführer, "aber das bedeutet mehr Hauptamtlichkeit." Die Turnerschaft prüfe bereits, zusammen mit dem TV Fischbek, dem FTSV Altenwerder und dem FC Süderelbe ein solches Angebot zu schaffen.

Die Ganztagsschule stellt auch deshalb eine Herausforderung an die Sportvereine, weil sie zu ihnen in Konkurrenz tritt: "Wenn die Kinder am Nachmittag stundenlang Sport in der Schule treiben, beginnen Eltern sich zu fragen, warum sie noch am späten Nachmittag oder frühen Abend Training im Sportverein machen sollen", erklärt Karsten Bode das Dilemma. Die Lösung sei, dass Sportvereine sich auf Wettkampf orientierten Sport besännen, sagt er. Auf die Leistungssportler also. Und sogenannte Show Parcours Teams, die bundesweit auftreten und immer beliebter seien.

Der Vizepräsident Breitensport/Sportentwicklung im Deutschen Olympischen Sport Bund, Walter Schneeloch, hat in diesem Monat Kommunen aufgefordert, Sportvereine noch umfassender in ihre politischen Handlungsstrategien einzubeziehen: "Wir brauchen noch mehr strategische und festere Formen der Zusammenarbeit", sagte er der verbandseigenen "DOSB-Presse", " denn noch zu häufig bestimmt der Zufall darüber, ob sich eine gelingende Kooperation aufbaut."

Quelle: Hamburger Abendblatt