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Nov 06 2017

 

 

Symposium: Wer bringt Bewegung ins Quartier?

Hamburg wächst je nach Schätzung um 10.000 Wohnungen pro Jahr bzw. durch zuziehende Neubürgerinnen und -bürger in den nächsten 20 Jahren im unteren sechsstelligen Bereich. Wie auch immer man es dreht und wendet: Es wird in den nächsten beiden Dekaden damit ein Bedarf an Sportstätten und Sportvereins-Mitgliedschaften in bisher nicht vermutetem Ausmaß ausgelöst.

Aber wo sind diese Sportvereine und Sportstätten geplant, wo werden sie verwirklicht? Wo machen zukünftig nicht nur in den Neubauvierteln wie Mitte Altona oder Oberbillwerder, sondern auch in den Quartieren mit intensiver Nachverdichtung die Kinder ihr Kinderturnen oder die Senioren ihre Gymnastik? Denn das wissen alle: 30 Prozent der bundesdeutschen Bevölkerung sind in einem Sportverein aktiv und haben entsprechend vielfältige Interessen.

Über neue Wege und Ansätze, diese Problemstellungen zu lösen, hat am vergangenen Donnerstag ein Symposium mit hochrangiger Besetzung stattgefunden. Im Raum stand die Frage: Wer bringt Bewegung ins Quartier? Die vier Veranstalter zogen hier bei aller Unterschiedlichkeit an einem Strang. Die Behörde für Inneres und Sport (Sportamt), die Stadtentwicklungsgesellschaft (steg), der Hamburger Sportbund (HSB) und die TopSportVereine (Großsportvereine der Metropolregion Hamburg) konnten sich auf ein gemeinsames Exposé als Arbeitsgrundlage verständigen.

Der Referentenkreis war so exquisit wie der Tagungsort in der Kühne Logistics University. Sportsenator Andy Grote referierte die städtischen Präferenzen der Stadtentwicklung, anschließend übernahmen Andreas Klages (DOSB Abteilungsleiter Sportinfrastruktur) mit bundesweiten Erfahrungsberichten und Prof. Dr. Robin Kähler mit seinen sportwissenschaftlichen Erkenntnissen deutlich Stellung und betonten, dass Hamburg dringend und intensiv handeln muss. Fünf "Flashlights" als Kurzberichte über Hamburger Sportvereinsbeteiligungen in der Stadtteilentwicklung rundeten das Bild mit Vortrag und Postern ab.

"Wenn mit dem Wachstum unserer Stadt auch die Lebensqualität wachsen soll, spielen gute und wohnortnahe Sportmöglichkeiten eine entscheidende Rolle", erklärte Grote. "Für die Entwicklung lebenswerter, attraktiver Wohnquartiere haben leicht zugängliche und einladende Sportanlagen dieselbe zentrale Bedeutung wie Kitas, Grünanlagen oder ÖPNV-Anbindung. Für Hamburg als Active City bedeutet Stadtentwicklung daher immer auch Sportflächenentwicklung. Wir investieren deshalb so massiv wie nie zuvor in Sporthallen, Sportplätze und Vereinssportanlagen und wollen Sportbedarfe in Stadtplanungsprozesse zukünftig noch früher und intensiver einbeziehen."

Eine wichtige Zielgruppe, die auch den Veranstaltern am Herz liegt, kam ebenfalls zu Wort. Als Vertreter der Wohnungswirtschaft trug Peter Jorzick (Hamburg Team Gesellschaft für Projektentwicklung) die Anforderungen der Wohnungswirtschaft an die gelingende Quartiersentwicklung vor. Es war einer von zahlreichen interessanten Beiträgen an diesem Tag. Daneben bot das Symposium auch Platz für lebhafte Diskussionen, an denen sich auch die HNT intensiv beteiligt hat. Für die kritischen Anmerkungen der Teilnehmer sowie deren Anregungen und Ideen waren die Veranstalter sehr dankbar. Ihr Ziel dürfte in greifbare Nähe gerückt sein, denn ausdrücklich sind neben neuen Lösungsideen auch zukünftige Arbeitsbeziehungen und Machbarkeitsstudien gewünscht.

"Das Symposium hat deutlich gezeigt, wo aktuell die Baustellen der Hamburger Sportpolitik liegen", sagte Ulrich Lopatta, Vorstandssprecher der TopSportVereine. "Wir brauchen neue Förderinstrumente der Stadt beim vereinseigenen Sportstättenbau, denn da finden die Innovationen statt. Und wir brauchen einen HSB, der v.a. seine kleinen und mittelgroßen Vereine bezirklich neu aufstellt und für die Aufgaben in der wachsenden Stadt handlungsfähig macht. Wir fordern deshalb vom HSB und der Stadt Hamburg ein gut ausgestattetes Finanzpaket zum Aufbau neuer und zur Förderung bestehender Großsportvereine. Diese Entwicklung werden wir unterstützen. Der HSB sollte die kommenden Verhandlungen zum Sportfördervertrag 2019/20 entsprechend gestalten. Unsere Unterstützung hat er dabei."